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RÜCKBLICK UND PERSPEKTIVE

Unter dieses Motto stellen wir die diesjährige Jahresausstellung, in der elf Künstler ihre Werke zeigen.

Einige von Ihnen kennen Sie: Ransome Stanley, Horst Thürheimer und Bernhard Springer zeigen im Erdgeschoss ihre neuesten Bilder.

Was Franz Angerer, Helmut Dirnaichner, Jenny Forster und Manuel Uebler in der letzten Zeit geschaffen haben, stellen sie im Obergeschoss aus.

Dazu kommen vier Künstler, die neu bei uns sind: Kaspar Damian Hosp zeigt Tuschzeichnungen nach alten Fotografien, Tanja Hirschfeld stellt Ölmalerei und Monotypien aus, Mascha Baur wartet mit Zeichnungen auf, und dazu sind von Anna Moll Skulpturen zu sehen.

Zur Vernissage am Freitag, den 11. November 2016 um 19.00 Uhr laden wir Sie herzlich in die Räume unserer Galerie an der Festhalle ein.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch 15:00 - 17:00 Uhr,
Freitag und Samstag 15:00 - 18:00 Uhr,
Sonntag 10:00 - 12:00 und 15:00 - 18:00 Uhr.

Die Ausstellung endet am 18. Dezember 2016.

 

Und eine weitere Einladung, diesmal für Samstag, den 3. Dezember, 18 Uhr:

Harald Eggebrecht (Süddeutsche Zeitung) und Rudolf von Bitter (Bayrischer Rundfunk) lesen in den Räumen unserer Galerie aus Rudolf von Bitters neu erschienenem Buch über Honoré de Balzac: „Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken".
Darüber schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: „Die Presse zu beschimpfen hat Tradition. Wenn nur alle die Kunst so gut beherrschten, wie Honoré de Balzac!“
Eintritt: 10 Euro

Wir freuen uns auf Sie!



Einführung zur Ausstellung von
Elmar Zorn

Meine Damen und Herren,

die Jahresausstellung in der Galerie des Vereins Kunst und Kultur zu Hohenaschau ist in diesem Jahr 2016 eine ganz und gar besondere. Einmal, weil der Verein sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert hat und noch feiert, und zum anderen, weil es nach dem kaum zu toppenden Kunstereignis der letzten Ausstellung hier mit Arno Rink aus Leipzig, bekanntlich einem der wichtigsten Leuchttürme zeitgenössischer deutscher Malerei, im Dialog mit Rudolph Distler, für mich der tiefste aller Aquarellmaler der Gegenwart ( und nicht nur für mich ), gelungen ist, was nach einer Ausstellung dieses Kalibers ja schwer möglich scheint, nämlich wieder eine spannende und erstrangige Präsentation in diese Räume zu zaubern.

Ich gestehe, dass ich einen gewissen Bammel hatte, als ich vor 3 Tagen eine Erstbesichtigung der heutigen Ausstellung vornahm. Eine Fallhöhe der beabsichtigten Evidenzen bei den gezeigten Werken zu vermuten, schien nicht abwegig. Immerhin ist es viel schwerer 11 unterschiedliche Maler, Zeichner und Bildhauer zu einer konsistenten Aussage zu vereinen, als zwei große Meister wie Rink und Distler sich entfalten sehen.

Doch der erste Blick um die Ecke im Erdgeschoss war - wie immer - eine geglückte Überraschung. Rudi Distler, der ja nicht nur ein „Mal-Genie“ ist, sondern auch ein „Häng-Genie“, genießt natürlich solche Augenblicke der „Verdadderung“, wenn er seine Hängungen vorführt. Freilich kann ja kaum etwas schief gehen, wenn er die neusten Werke von Künstlern der Sonderklasse wie Ransome Stanley, Horst Thürheimer und Bernhard Springer exponiert. Da aber die anderen Künstler im Obergeschoß mit der hier unten gesetzten Messlatte mithalten können, wofür schon ihre Namen stehen, tritt das von Distler raffiniert inszenierte Paradox ein, dass zwar dieser Raum mit seinen malerisch glänzend gesetzten Höhepunkten zum Verweilen einlädt, aber gleichzeitig die Neugier angefacht wird, sich die anderen Positionen dieser Jahresausstellung vor Augen zu führen. Es sind solche Künstler, die den treuen Besuchern des Kunstvereins in ihrer Bildsprache durchaus geläufig sind, und es sind solche, die zum ersten Mal gezeigt werden. Denn, wie es Klaus Jörg Schönmetzler in seiner Laudatio zum 20-jährigen Jubiläum dieses Kunstvereins beschrieben hat: „einmal gezeigte Künstler nicht aus den Augen verlieren, sondern mehrfach von neuem zu befragen“, stellt diese Galerie ein Forum für das Wiedersehen bereit. Und das Konzept des Hauses ist es gleichzeitig immer sich auch dem Neuen zu öffnen, auszuprobieren, zu riskieren. Da ich unbedingt alle Künstler dieser Ausstellung namentlich erwähnen will, kann dies nur jeweils kurz geschehen. Ich tue dies in der Reihenfolge, die der Einladungsfolder vorgibt:

Ransome Stanley:
Wie das linear Zeichnerische, Schrift, Drucklettern und die isolierten Figuren in der Anverwandlung der historischen Zitat-Abrisse vor den Farbfelder-Tafeln sich zu Panoramen individueller und kollektiver Erinnerung auftürmen, lotet einen ganzen Kosmos ironischer Weltinspektion aus.

Horst Thürheimer:
Wie Ransome Stanley, der 2015 und 2011 hier mit seinen Arbeiten zu sehen war, war auch Horst Thürheimer immer stark präsent in diesem Kunstverein, so 2012 und 2010, und dies in doppelter Funktion, als Künstler und als Verwaltungsrat des Vereinsvorstands. Die Kunstwelt kennt seine Arbeiten vor allem durch die beiden Bücher beim Hirmer Verlag, zuletzt „Fire & Chalk“, 2014 von Gottfried Knapp herausgegeben, durch seine Ausstellung im Diözesanmuseum Freising und den groß angelegten Kreuzweg in einer 14-teiligen Glasfassade in der Kirche St. Florian in Riem. Die hier gezeigten Arbeiten tragen seine unverkennbare Handschrift einer sich von der Bildfläche abhebender Linearität vor dramatisch farbigem Hintergrund.

Bernhard Springer:
Der vielseitige Bildhauer, Maler, Film- und Videokünstler hat Theologie, Literaturgeschichte und Wissenschaftstheorie studiert mit Magister- und Doktor-Abschluß und ist auch als Regisseur und Kurator tätig. Wie die Kollegen immer wieder in Aschau präsent, zuletzt mit Manuel Uebler, führt er uns hier den Einbruch des Geisterhaft-Magischen in unsere alltägliche, digital reduzierte Welt vor Augen.

Franz Angerer:
Ich werde auf ihn später eingehen, im Zusammenhang der Installation seiner Werke hier.

Helmut Dirnaichner:
Seine Werke zeigen sich dem Betrachter erst einmal in ihrer puren Schönheit einfach strukturierter Oberflächen. Bei näheren Hinsehen aber wird die Stofflichkeit der pigmentierten Steine und Erden fühlbar. Wir haben es gewissermaßen mit Eingangsportalen in die inneren Welten der Materie zu tun, die nach außen gestülpt und auf die Flächen der handgeschöpften Papiere aufgebracht sind. Dirnaichner hat diese Metamorphosen der Natur durch die Kunst sein Leben lang gestaltet und gezeigt, etwa in New York. Bei uns in Bayern hat er sie hier exemplarisch vor 2 Jahren vorgeführt, ebenso im Kunstraum der Klosterkirche Traunstein, und wird im nächsten Jahr in der Galerie Bruckmühl mit seinen erlesenen Werken in einer großen Einzelausstellung zu sehen sein.

Jenny Forster:
 Ihre komplex ineinander verschränkten quadratischen Farbrahmungen und eiförmigen Rundungen konstituieren in ihren zahllosen Varianten geradezu ein neues Form- und Farben-Alphabet der Tafelmalerei.

Manuel Uebler:
Dieser Künstler aus Nußdorf bei Traunstein steht für die Leica Camera Akademie, weltweit und eben auch in seiner Heimat Chiemgau, deren Überlieferungen, etwa in den Handwerkerberufen, er fotografisch festhält. Als ich ihn vor 2 Jahren in diesen Räumen entdeckte, dachte ich sogleich an die Antarktis-Fotos von Stefan Hunstein, der ja mit solchen Aufnahmen gefeiert wurde. Uebler steht freilich dem Münchner Kollegen – das möchte ich an dieser Stelle deutlich sagen - in nichts nach.

Kaspar Damian Hosp:
Hinter dem Pseudonym steht der renommierte Münchner Internist, Prof. Dr. Karl Dietrich Hepp. Er hat seine künstlerische Leidenschaft auf alte Bergfotos verlegt, die er in seinen Tuschzeichnungen als romantisch-programmatische Vorlagen in neues Leben versetzt. Bei den Bergnatur- Bewunderungs-Figuren des Vordergrundes der Bilder von Kaspar Damian Hosp denken wir alle natürlich an die gestaffelten Perspektiven in Caspar David Friedrichs Naturdarstellung.

Tanja Hirschfeld:
Romantisch, nämlich der deutschen Romantik zuordenbar, scheinen auch die Bilderzählungen von Tanja Hirschfeld. Mit deutscher Romantik ist allerdings nicht ein Attribut, sondern eine Stil- und Philosophie-Richtung des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Die spielt immer noch eine große Rolle, wenn sich unsere Fantasie der Vergangenheit zuwendet und sie verklärend heranholt in unsere Gegenwart. Auch die Künstlerin greift diesen virulenten Formenschatz auf, die Topoi des edel-unschuldigen Tieres und der unberührte Wald tauchen auf wie in den Märchenaufzeichnungen der Brüder Grimm, doch verstehen wir beim Betrachten, dass diese Idyllen vergiftet sind, hierin nicht unähnlich der Bilderwelt von Cornelia Schleime.

Mascha Baur:
Eigentlich fällt Masha Baur, neben Hosp, Hirschfeld und Anna Moll eine zum ersten Mal in Aschau gezeigte Künstlerin, aus dem Rahmen dieser Ausstellung. Das aber ist beabsichtigt: es soll ein Hinweis nämlich auf eine ganz andere Art sein wie Künstler ihre Bilderzählungen anlegen und sich gemeinsam im Stadtraum positionieren. Kooperationen mit Schriftstellern, über die Grenzen hinweg, zielen auf Kunst in deren Funktion des Illustrativen, auf kollektive Erfahrungen, so in Projekten wie „Munich Stories“, „Munich Artists Playing Cards“, und damit dem Bereich der Street Art und Urban Art, die von solchen Foren wie Stroke und ARTMuc vertreten werden, und die am Rande auch im Kunstverein Aschau immer wieder aufscheinen, so in den Werken des amerikanischen Malers und RAP Musikers Ray Moore, die hier am Anfang dieses Jubiläum-Jahres zu sehen waren.

Anna Moll:
Die Bildhauerin und gefeierte Goldschmiedin, die in München und im nahen Pfifferloh lebt und arbeitet, löst in ihren Plastiken die festgefügte, abweisende Masse auf in ein transparentes Gitter von rund gegossenen Körpern, als Manifestationen von Umhüllungen, die auf sich selbst hinweisen.

Selten sieht man, meine Damen und Herren, Präsentationen von Kunst, in denen sich die gezeigten Werke erkennbar zueinander verhalten, je einzeln in Dialog treten miteinander oder sich als Zyklus mit den von ihnen evozierten Assoziationen den anderen Werkgruppen aufschließen. Erfreulich anders als der Typus Gemischtwaren-Schau von Kunstmessen und Kunstverbänden, wie er in Münchner Kunsthäusern und Pavillons üblicherweise zusammengeschustert wird, kann sich im Netz von Beziehungen, wie sie in dieser Jahresausstellung eingerichtet sind, jeder Künstler mit seinen Werken gerecht vertreten fühlen. Wie etwa bei Franz Angerer der Übergang von scharf zeichnerischen Mustern in der Fortsetzung dieser Formmotive in den aufragenden Plastiken eine Binneninstallation ergibt , bei der die Stahltür des Raumes unversehens mitspielt, wie Anna Molls behutsam offene Raumumschließungen in Verbund treten zu Manuel Ueblers sich öffnenden und schließenden fotografischen Landschaftsskulpturen, wie alle hier präsentierten Arbeiten die Besucher einladen den jeweiligen Geheimnissen der Werke näher zu kommen im Spiel zwischen dem Fremden und dem Eigenen, fügen sich diese Korrespondenzen eindrucksvoll zu einer Gesamtheit, als sei sie so ursprünglich intendiert gewesen, wie sie in den Galerieräumen hier in situ gestaltet wurde.

125 Ausstellungen mit 180 Künstlern - ein Programm, das „seinesgleichen sucht“, wie einmal gesagt wurde: das ist eine tolle Bilanz. Zu Recht hat sie Gottfried Knapp, der Kunstkritiker der Süddeutschen Zeitung, in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung Rink-Distler gewürdigt. Die markantesten Sätze dieses denkwürdigen Lobes sind nachzulesen in deren Folder Ende September.

Erlauben Sie mir, bei soviel emphatischem Rückblick, zum Schluß auf ein Ereignis vorauszublicken, welches als erste Ausstellung des Jahres 2017 stattfinden wird, ab 17. März, und gerade durch die Wahl in den USA vor wenigen Tagen zweifellos den Nagel auf den Kopf treffen dürfte:
Es handelt sich um die erste große Einzelausstellung des in Fort Myers / Florida lebenden farbigen und amerika-kritischen Malers Marcus Jansen aus New York, mit deutschen Vater und einer Mutter aus Jamaica, fast also einem Latino-Land. Er hat Katastrophenszenarios gemalt, die sowohl hoch erschreckend wie auch wunderschön sind. Dass seine mehrjährige Ausstellungstour durch die großen Museen Europas ausgerechnet im Aschauer Kunstverein beginnt, wird Zeichen setzen und einen der Kunst-Vertreter von „Old Europe“, Rudi Distler, zur nächsten Überraschung herausfordern.

Ich wünsche ihm, dem Aschauer Kunstverein und Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, eine inspirierte und eine nachdenkliche Zeit des Jahresausklanges und für das neue Jahr 2017, dass es friedvoll sein möge, denn das Gegenteil zu befürchten hätten wir weiß Gott Anlaß.

Ich danke Ihnen!

Elmar Zorn

Manuel Uebler: 'Antarktis', Fotografie (Ausschnitt)