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Pop-Art oder Anti-Pop?

Malerei von Marc Taschowsky

„Post-Pop-Art“, also „Nach-Pop-Art“ – so lässt sich´s immer wieder lesen, wenn über Marc Taschowskys Malerei geschrieben wird. Und auf den ersten Blick scheint das auch zu stimmen: Schöne Frauen, scheinbar den Plakatwänden entstiegen, sind auf den Bildern des Berliner Malers zu sehen. Oder Marketingfiguren, die uns Tausende Male untergekommen sind. Bekanntes, Triviales also aus der Konsum- und Medienwelt, ganz im Sinne der „Pop-Art“, die eine möglichst genaue Abbildung solcher Sujets zu ihrem ästhetischen Ideal erhoben hatte. Ist Marc Taschowsky also ein Pop-Art-Künstler?

Die Antwort ist nicht so einfach, denn: Taschowsky greift zwar Sujets aus der Massenkultur auf, aber er löst deren Trivialität sofort auf, wenn er sie mit wilden, kräftigen Farben, Formen und Zusammenstellungen auf die Leinwand bringt, wo sie nun vertraut und gleichzeitig fremd erscheinen – hinterfragt von einem Künstler, der damit nicht nur kindliche Faszination, sondern auch kritische, erwachsene Distanz zu seinen Sujets ausdrückt. Dieser künstlerische Aneignungs- und Gestaltungsprozess, der bei Marc Taschowsky aufregende künstlerische Interpretationen hervorbringt, hat mit der „Pop-Art“ im Grunde kaum noch etwas zu tun. Oder doch?

Geben Sie sich selbst die Antwort, wenn Sie vor seinen Bildern stehen, oder fragen Sie den Künstler persönlich. Zur Vernissage am 14. September, 19:30 Uhr in der Galerie an der Festhalle Hohenaschau ist er anwesend. Wir laden herzlich dazu ein!

Die Ausstellung läuft bis zum 14. Oktober 2018.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch 16:00 - 18:00 Uhr,
Freitag und Samstag 16:00 - 19:00 Uhr,
Sonntag 10:00 - 12:00 und 16:00 - 19:00 Uhr.

 



Rede zur Eröffnung der Ausstellung Marc Taschowsky am 14.9.2018, Galerie Kunst & Kultur zu Hohenaschau e.V.

Im Programm dieser Kunsthalle spielt die Präsentation von Werken, in deren Mittelpunkt figurative Montagen stehen, immer wieder eine markante Rolle. Zuletzt waren die Arbeiten des amerikanischen, in München lebenden Malers und Graphikers, sowie Hip-Hop- und Rap-Produzenten Ray Moore zu sehen, gespickt mit Pop Art- und Comic-Zitaten und Textfragmenten, oder die apoka- lyptischen Bildwelten des deutsch-amerikanischen, in Florida lebenden Malers Marcus Jansen, welche amerikanische Mythen und Traumata umspie- len, etwa die Figur des Mädchens Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“. Einer der Titel von Jansens Werken ist „Obscure Line Between Fact & Fiction“ aus dem Jahr 2010, also 7 Jahre vor Donald Trumps Amtseinführung(!)
Und hier sind wir bei dem Künstler angelangt, den wir heute in diesen Räumen erleben: Marc Taschowsky. Im Zentrum seiner Bilderfindungen steht die Faktenwelt der Medien, mit ihren Wahrheiten und Lügen bzw. „alternativen Wahrheiten“, mit ihren Geschichten, Mythen, Märchen, mit den Klischees der Spielwelt und der Puppenwelt der Kinder sowie den Pin-ups und den Comic-Fantasien.
Wie Marc Taschowsky die Figuren dieser Bildwelten miteinander dreist konfrontiert, wie er sie mischt und neu zusammensetzt, reiht er so seine Arbeiten zwar ein in die Geschichte der Montagetechniken in der zeitgenössischen Malerei, bewegt sich aber nicht in der Pop Art bzw. bzw. Post Pop Art, sondern hat einen Typus sui generis kreiert, der über Pop Art weit hinaus geht, indem er auf der Metaebene der Darstellungen der zitierten Elemente spielt, und das ebenso dynamisch wie hoch vergnüglich. So entsteht eine merkwürdig ironische Synthese in Taschowskys spezieller Art der Mon- tage. Anders als etwa bei dem berühmtesten alle Montage-Künstler, John Heartfield in den 1930-er Jahren, der durch die harten Fragmentierungen in seinen bösen Satire-Blättern Synthese leugnete, rückt Marc Taschowsky sich seine Montage solange experimentell zurecht, bis sie stimmen, also in der Bildkomposition ein eigenes neues Gleichgewicht entsteht. In diesem Schaffensprozess findet er seine eigene Unterhaltung, wie er sagt, und überträgt sie in seinen Öl- auf- Leinwand-Bildern, den Linoldrucken und den Zeichnungen auf den Betrachter. „Divertirsi divertendo“ – also die anderen gut zu unterhalten, zu amüsieren, während man sich selber gut unterhält - dieses Motto des historischen Carnevale di Venezia könnte auch der künstlerische Wahlspruch von Marc Taschowsky sein. 1972 in Frankfurt geboren, hat er an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert und in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen,
oft auch mit seiner Frau Susanne Maurer ( deren Werk ja im März und April dieses Jahres hier zu sehen war ), nicht nur seine enormen malerischen Quali-täten zeigen können, sondern er gehört auch zu denen, die in der deutschen Kunstszene eher spärlich vertreten sind: Maler, die es schaffen, Humor in ihren Bildern zu gestalten. Und dies mit einer Frische, Direktheit und Wucht, die allen Betrachtern Spaß macht. Die Titel vieler seiner Ausstellungen sind programmatisch, was solche Humorgestaltung betrifft: „postpopulär“, „Madonna rechts“, „Pittiplatsch“, „Splash“, „Meisterpopper“, „Rohe Weihnacht“ statt „Frohe Weihnacht“.
Letztere Präsentation war in der Galerie Tobias Schrade in Ulm, mit welcher der Künstler schon sehr lange und besonders gern arbeitet, zu recht, wie ich meine. Viele der großformatigen Bilder, etwa „Traumauto“ und „Welt“ waren in seiner Galerie zu sehen. Hier können sie allerdings der Übergröße wegen nicht gezeigt werden. Gut rüber kommt freilich das Großporträt von Frosch Kermit, das im Gang in der 1. Etage hängt. Wir kennen den lustigen Frosch aus der Muppet Show und sehen ihn hier sich entfalten, wie es sonst nur in der Aktion im Fernsehen geschieht. Die kleinen Formate aber, auf die sich Marc Taschowsky anfangs spezialisiert hatte, lassen sich voll bewundern in dieser Ausstellung. Sie sind ganz vorzüglich gehängt in Raum 1 der 1. Etage.
Sie sind als „Köpfe“ betitelt, nicht als“ Portraits“ eingestuft. Viele der erfassten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind zwar erkennbar, doch legt der Künstler keinen Wert auf möglichst realistische Gesichtszüge und streut sogar Köpfe aus der Comic-Welt unter die Reihungen der Abgebildeten, wohl um so der Schönheits- und Prominenten-Galerie genügend Unernst zu verleihen.
Meine Damen und Herren, wie auch sonst bei der Montagetechnik in der modernen und zeitgenössischen Malerei, ob im Dada von Hanna Höch und Kurt Schwitters, im Surrealismus von Dalìs über den liegenden Akt hinweg springenden Tigern oder bei Robert Rauschenberg, dem Wegbereiter der Pop Art, der selber eigentlich kein Pop Art Künstler war, so gelingt es auch Marc Taschowsky durch Orts- und Zeitsprünge veränderte Wahrnehmungen zu provozieren und andere Zusammenhänge überraschend deutlich zu machen.
Wenn Kunst so gut gestaltet, so intelligent aufklärerisch konzipiert und so unterhaltsam platziert ist wie diese, rückt sie wieder ein Stück näher an ihren Adressaten in dem oft beklagten Prozess des Auseinanderdriftens zwischen Künstler und Rezipienten!

Elmar Zorn




Monster, 200x250cm, Öl auf Leinwand, 2017
Monster, 200x250cm, Öl auf Leinwand, 2017
Whole train, 100x90cm, 2017, Öl auf Leinwand
Kirmit, 200x160cm, Öl auf Leinwand, 2017
Kirmit, 200x160cm, Öl auf Leinwand, 2017
C3PO, 100x80cm, 2017, Öl auf Leinwand
C3PO, 100x80cm, 2017, Öl auf Leinwand