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Die Poesie der Welt

25 Jahre KUNST und KULTUR zu Hohenaschau e.V.
Jubiläumsausstellung Arno Rink und Rudolph Distler


Vor einem Vierteljahrhundert wurde der Kunstverein "Kunst und Kultur zu Hohenaschau" gegründet, und genau so lang ist der Maler Rudolph Distler künstlerischer Leiter dieser Institution. Er hat den Verein zu einem angesehenen Forum für Malerei, Zeichnung und Druckgrafik im Süden Bayerns gemacht, doch nur wenige Sammler und Freunde kennen die Werke, die Distler selber in diesen 25 Jahren geschaffen hat. Das Jubiläum ist also ein guter Anlass, um wieder einmal die Gemälde und Papierarbeiten Distlers, die innerhalb der gegenständlichen Malerei eine bestimmte Position markieren, in Aschau zu zeigen und mit dem malerischen Werk von Arno Rink, das einer ganz anderen gegenständlichen Poetik folgt, zu kombinieren.

Rudolph Distler kann reale Dinge mit subtilsten pinseltechnischen Finessen so sinnlich suggestiv und atmosphärisch überzeugend vors Auge heben, dass jede farbige Digitalfotografie vergleichbarer Motive in ihrer fotomechanischen Überkorrektheit im Vergleich leer und austauschbar aussehen würde. Distler hat die vielfältigen Landschaftsformen und die atmosphärischen Stimmungen seiner Wahlheimat, des Chiemgaus, quasi osmotisch aufgesogen, um sie auf dem Papier oder auf der Leinwand immer wieder auf überzeugende Weise neu zusammenzusetzen: die spiegelnden Flächen der Seen mit ihren verschilften fernen Ufern, die weiten Weideflächen mit den Resten alter Zäune, die brachliegenden Felder, die wie zufällig in der Landschaft verstreuten Bauernhäuser, die Waldstreifen auf den hintereinander gestaffelten Hügeln, die fast nur noch mit Lupe erkennbaren filigranen Gefieder kahler Bäume fern am Horizont und die in der Tiefe verblauenden Bergketten. Über allen Landschaften aber schwebt ein Himmel, der das Bildgedicht zu Ende schreibt und das Gesehene einbettet in die atmosphärischen Wechsel der Jahreszeiten wie der Tageszeiten. Wie sich Landschaften anfühlen, wenn die Sonne nur matten Schein gibt, wenn der Himmel mit Regenwolken behangen ist, wenn tiefer Schnee liegt oder der Abend dämmert - das ist wohl kaum irgendwo schöner zu erleben als in den Bildern Distlers.

Arno Rink kann heute schon als Klassiker der gegenständlichen Malerei in Deutschland gefeiert werden. Als einer der Urväter der Neuen Leipziger Schule und als Lehrer von Kunstmarktgrößen wie Neo Rauch zählt er zu den großen Stillen im Land, die unabhängig von politischen Geschehnissen und von den Wandlungen des Kunstbetriebs ihre Form der Malerei zur Meisterschaft weiterentwickelt haben. Immer stand bei ihm die menschliche Figur im Mittelpunkt des bildnerischen Geschehens. Und immer erzählt Rink Geschichten von menschlichen Beziehungen, von dramatischen Konflikten, die sich zwischen den Geschlechtern ereignen können, oder von rätselhaft-geheimnisvollen Umständen, die ins Poetisch-Surreale hinüberschillern.
Auf die Freiheit, die er sich beim Fabulieren, beim Zusammenschieben und charakterisierenden Ausstatten der Figuren nimmt, antwortet Rink seit einigen Jahren mit immer größerer malerischer Freiheit. Neben pinseltechnisch behutsam zelebrierten, fein zu Ende gemalten Partien, die gegenständliche Details plastisch und farblich lebendig werden lassen, stehen immer häufiger flüchtig angedeutete Flächen oder skizzenhaft auf den hellen Malgrund gezeichnete Partien. Fertiges und scheinbar Unfertiges wird als bewusst gegeneinander gesetzt, Figürlich-Erzählendes wird mit Strukturell-Offenem konterkariert; und zur inhaltlichen Spannung gesellt sich eine Flächenspannung, die den Betrachter fesselt.

Distlers Landschaften und Rinks Figurenbilder markieren also zwei auffällig unterschiedliche Positionen innerhalb des Spektrums der gegenständlichen Malerei. Aber genau dieser Unterschied dürfte der Aschauer Jubiläumsausstellung ihre Spannung geben.

Gottfried Knapp

Wir freuen uns, Sie zur Vernissage am 23. September 2016 um 19.30 Uhr in den Räumen von Kunst und Kultur begrüßen zu dürfen.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch 16:00 - 18:00 Uhr,
Freitag und Samstag 16:00 - 19:00 Uhr,
Sonntag 10:00 - 12:00 und 16:00 - 19:00 Uhr.

Die Ausstellung endet am 23. Oktober 2016.


Rudolph Distler 'Gehöft II' Aquarell, 38 x 38 cm, 2016

Arno Rink 'Atelier III', Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm, 2012